Mittwoch, 23. März 2016

Rezension: »I Saw a Man« von Owen Sheers


Ein atemberaubendes Drama über die Last von Geheimnissen

Nach dem tragischen Tod seiner Frau Caroline, die als Journalistin bei einem Auslandsdreh in Afghanistan ums Leben gekommen ist, erträgt Michael es nicht länger im gemeinsamen Heim in Wales. In dem Versuch, ein neues Leben zu beginnen, zieht er nach London, wo er auf die Nelsons trifft: Josh, Samantha und ihre zwei Töchter wohnen im Haus nebenan, und aus einer Zufallsbekanntschaft wird schnell – allzu schnell? – eine intensive Freundschaft. Michael geht bei den Nelsons wie selbstverständlich ein und aus, bis er eines Samstagnachmittags ihre Hintertür halb offen stehend vorfindet. In dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt, betritt er das augenscheinlich leere Haus ... und setzt damit eine Folge von Ereignissen in Gang, die ihrer aller Leben schlagartig und auf immer verändern wird.

Meinung:
Hier haben wir mal wieder einen Kandidaten, der bei mir zu hohe Erwartungen geweckt, und mich am Ende leider enttäuscht hat. Was ich sehr schade finde. In I Saw a Man von Owen Sheers, geht es  um den Schriftsteller Michael, der nach dem Tod seiner Frau, die als Journalisten in Pakistan zur falschen Zeit am falschen Ort war, versucht wieder ein normales Leben zu leben. Er zieht von New York nach London und freundet sich schnell mit den Nachbarn, den Nelsons an, so sehr, dass er bei ihnen ein und aus geht, als würden sie sich ein Leben lang kennen. Dann eines heißen Sommertages, sieht Michael, dass die Hintertür  zum Haus seiner Nachbarn offen steht. Um nach dem Rechten zu schauen, betritt er das leer erscheinende Haus und löst damit eine Kettenreaktion aus, die  ihr aller Leben verändert. 

Ich gut einen Monat für diese 297 Seiten gebraucht, und das nicht, weil ich nicht wollte, dass das Buch so schnell zu Ende gelesen ist. Ich habe so lange gebraucht, da es sich meiner Meinung nach ziemlich zieht.  Auch wenn die gut ersten 50 Seiten noch interessant und spannend  zu lesen sind und man mitfiebert, was mit den Nelsons passiert ist und warum die Hintertür offen steht, was so normalerweise nie der Fall war, klang das alles  vielversprechend. Doch leider konnte das Buch diese Spannung  nicht aufrechterhalten und das zum Leid des Lesers, der verzweifelt nach Spannung sucht, mit der in diesem Buch ziemlich gespart wurde. Stattdessen werden einem Rückblenden zugeschmissen, wie es zu dem Tod von Michaels Frau gekommen war, wer daran schuld war und wie dieser Mensch sich fühlte. Rückblenden, die mich nicht gar nicht interessiert haben. Diese Rückblenden machten auf mich den Eindruck, als wären sie  Lückenfüller, um der Geschichte eine passende Länge zu geben (damit sie nach etwas aussieht), aber das  für mich wirkte es eher wie ein unnötig in die Länge gezogener Roman, den man gut um hundert Seiten kürzen und eine Novelle daraus hätte machen können. Aber auch der Schreibstil von Owen Sheers, war an manchen Stellen ganz schön ausschweifend. So sehr, dass man als Leser selbst die Gedanken schweifen lässt, sich nicht wirklich auf das Buch konzentriert und der Handlung so nicht folgen kann. Das war für mich zeitweilig zu viel des Guten, dass ich von dem Buch einen kleinen Abstand brauchte.

Das einzig positive an diesem Roman waren die wenigen Stellen, an denen endlich mal (nach gut 200 Seiten) etwas passiert. Mit dem, was in dem Haus der Nelsons, nach Michaels Eindringen, passiert, hatte ich gar nicht gerechnet. Ich dachte: »Ja endlich, jetzt kommt Schwung in die Bude!« Aber nichts da! Gleich danach verfällt der Roman wieder in sein Loch der ausschweifenden Beschreibungen von Gefühlen und Metaphern.

Im Großen und Ganzen gesehen ist I Saw a Man von Owen Sheers ein interessantes, mit Beschreibungen und Rückblenden vollgestopftes, Buch, mit einer interessanten Idee. Aber mit einer Umsetzung, die für meinen Geschmack, zu wünschen übrig lässt. 
Auch erschließt sich mir der Titel  I Saw a Man nicht ganz. Ich könnte hier ein wenig darüber rätseln, aber das würde unweigerlich zu Spoiler führen und das möchte ich nicht. 

Verlag: DTV / Seiten: 297 / Genre: Roman / Einband: Gebunden / Übersetzer: Thomas Mohr / Preis: 19.99€ / ISBN: 978-3-421-04669-7 / »I Saw a Man« von Owen Sheers bei buecher.de kaufen*

Kommentare:

  1. Hallo Nico,

    das finde ich ja interessant. Ich habe gerade eine Rezension dazu geschrieben und fand das Buch keineswegs langweilig. Meiner Meinung nach braucht es die Rückblenden, um das Buch rund zu machen. Natürlich ist man mit der Erwartung, einen Thriller zu lesen, komplett auf dem falschen Dampfer. Ich bin ohne Erwartungen an das Buch herangegangen und habe es mir nicht einmal selbst ausgesucht. Umso überraschter war ich von der interessanten und ja, auch spannenden Geschichte. Meiner Meinung nach geht es vordergründig gar nicht um das, was im Haus der Nelsons passiert. Es setzt nur Dinge in Gang und es bleibt die Frage von Schuld und wie man mit Schuld (über)leben kann.
    Ich verlinke deine Rezi trotzdem gern, man kann sich dann ein unterschiedliches Bild machen. :-)

    Liebe Grüße
    Mona

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    1. Hallo Mona,
      einen Thriller in dem Sinne hatte ich hier gar nicht erwartet. Eher einen Roman der mich auf jeder Seite fesselt und mich zum Umblättern zwingt, weil ich wissen möchte, was in dem Haus passiert ist. Ich muss gestehen, dass ich wohl mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin und wer weiß, vielleicht werde ich es in Zukunft noch mal lesen, und es besser verstehen. Klar, das mit den Rückblenden stimmt schon, nun wenn man mit den Erwartungen, die ich hatte, dieses Buch liest, sind einem die ständigen Rückblenden ab einem Punkt in dem Buch einfach zu viel des Guten.

      Vielen Dank fürs Verlinken. ;)

      Liebe Grüße,
      Nico

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