Montag, 19. Juni 2017

Marbled Monday: »Handbuch für Schriftsetzer« von Friedrich Bauer



Wenn man sich eine Weile mit dem traditionellem Buchbinden beschäftigt, dann stößt man früher oder später über die Einbandgestaltung der Bücher. Viele kennen die Ledergebundenen Kodexe aus dem Mittelalter, andere die in Leinengebundenen Koch- oder Tagebücher ihrer Eltern oder Ureltern. Oder sonstige andere Bücher, welche in den unterschiedlichsten Materialien gebunden wurden. Ein ganz besonderer Schatz beim Buchbinden sind die Buntpapiere wie das Marmorpapier. Und genau um diese Gestaltungstechnik, soll sich in dieser neuen Beitragsreihe alles drehen. Denn nicht nur für Einbandpapier wird diese Technik benutzt, sondern auch wie in diesem Fore edge Friday-Beitrag zu sehen ist, wurden bzw. werden noch immer mit dieser Technik auch Buchschnitte verziert.


Eine Version des marmorierten Papieres ist die japanische Technik Suminagashi, welche bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Diese Marmoriertechnik ist mit die einfachste Technik, Buntpapier herzustellen. Alles was man hierfür braucht ist ein Gefäß mit Wasser (etwas größer als das Papier), Tusche oder Tinte oder verdünnte (sollte die Konsistenz von Milch haben) Acrylfarbe in verschiedenen Farben, Papier und einige Pinsel. Mit den Pinseln werden abwechselnd die verschiedenen Farben auf die Wasseroberfläche aufgetragen. Dabei sollte man darauf achten, dass man das Wasser mit dem Pinsel nur antippt. Das macht man so lange, wie es einem gefällt. Die typische Maserung entsteht entweder durch Pusten oder Wedeln mit einem Fächer oder Papierbogen. Oder man benutzt einen dünnen Stiel und fährt damit durch das Wasser. Das Besondere hierdran ist, dass jedes marmorierte Papier ein Unikat ist. Ist ein zufriedenstellendes Muster entstanden, legt man vorsichtig das Papier auf. Sollten die Farben blass erscheinen, ist es ratsam das Papier einen Tag vor dem Marmorieren mit im Wasser aufgelöstes Kalialaun zu behandeln und es über Nacht gepresst, trocknen zu lassen - eine Markierung sollte auf der unbehandelten Seite des Papieres kennzeichnen, welche Seite man auflegen soll. Durch das Kalialaun haften die Farbpigmente besser auf der Papieroberfläche und die Farben treten kräftiger auf.

Wie alt die Technik des Marmorierens wirklich ist, ist unklar. In der westlichen Welt wird die Farbe auf mit Carrageenmos verdicktes Wasser aufgetragen. In der Türkei ist das sogenannte Ebru entstanden, wobei Figuren auf der Oberfläche "gemalt" werden. Bekannte Muster sind zum einen Vögel oder Blumen. Ansonsten gibt es auch weitere verschiedenen Muster beim Marmorieren, wie zum Beispiel der Kammmarmor. Eine meiner Lieblingstechniken - die ich selber noch oft üben muss, ist das sogenannte Spanish Wave marbling, bei der während des Auflegens des Papierbogens dieser leicht hin und her bewegt wird, um leichte Wellen auf dem Marmoriergrund zu erzeugen, welche sich dann auf dem Papierbogen abzeichnen - gar nicht so einfach. ^^

Das Buch, welches ich heute in dieser Beitragsreihe vorstellen möchte, habe ich vor einigen Wochen auf dem Flohmarkt ergattern können. Auf den Titel des Buches habe ich dabei gar nicht geachtet, das Marmorpapier hat hier die ganze Aufmerksamkeit von mir bekommen. Erst als ich gesehen habe, worum sich das Buch handelt, habe ich es schließlich gekauft, denn das Setzen von Texten mit beweglichen Bleilettern fasziniert mich schon Seit einigen Jahren und mal schauen, wann ich meinen eigenen Setzkasten habe und meine Texte selber setze und drucke. ^^

Das Handbuch für Schriftsetzer von Friedrich Bauer erschien zuerst bogenweise als Beilage zu Klimsch Druckerei-Anzeiger in den Jahren 1903 bis 1904. Die erste Buchausgabe erschien im Herbst 1904. Die 9. Auflage, wie ich sie besitze, erschien im Frühling 1938.


Kommentare:

  1. Ich glaube das Erste was mich an Büchern fasziniert hat, waren die schön gebundenen Bücher im Regal meiner Eltern.

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  2. In was waren diese Bücher denn gebunden? Leinen, Leder oder normal in Papier mit bestimmten Prägungen? :)

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